Jarama – jede Menge neue Erfahrungen

Ja, früh diesmal, jedenfalls für meine Verhältnisse. Vielleicht liegt es daran, dass ich ganz unverschämt Urlaub mache – mit Frau und Hund (ja, ich habe Heike zuerst erwähnt!) – und mich so richtig gut auf den Endspurt nächste Woche in Le Mans vorbereiten kann. Mal sehen, ob´s hilft… Aber so ein bißchen ein schlechtes Gewissen habe ich schon dabei, denn genau jetzt schrauben sich meine Jungs die Finger wund, damit ich am nächsten Wochenende fahren kann. Okay, schuld bin ich nicht an der Situation, denn sie bauen nicht meinen Truck sondern den meines Teamkollegen Antonio auf, dennoch…

Aber mal ganz von vorne. Angefangen hat das Jarama-Wochenende mit dem Mieten eines Wohnmobils und der endlos langen Fahrt in Richtung Madrid. Hut ab, wieviele Kilometer respektive Stunden die Teams abspulen, um das gesamte Equipment an die Rennstrecken des Truckracekalenders zu bringen. Andererseits ist es schon eine gute Gelegenheit vom Alltagsstress abzuschalten und die Kurven des circuito del Jarama schon mal gedanklich abzufahren, natürlich nur gedanklich, denn französische Autobahnen verlaufen zu 99% gerade…

Um mal mit meinen Freunden von truckracing.de, Wolfgang und Andre Bartscher übereinzustimmen, möchte ich kurz erwähnen, dass das Wetter in Jarama mal wieder absolut bombastisch war. Und wenn wir gerade bei den Bartschers sind: Mensch Jungs, haltet ihr echt so wenig von mir? Ich hab´doch wirklich versucht, dem Andre die Strecke plausibel zu erklären und ihm alles verraten, was ich in fast 100 Jahren Truckracing gelernt habe. Und dann schreibt ihr sowas (Zitat): “…und die anspruchsvolle Piste von Jarama hatte der tankpool24-Pilot gestern zum ersten Mal gesehen, als er sie mit seinem Mentor Markus Oestreich zu Fuß abgelaufen war.Dennoch machte Kursim keine schlechte Figur auf dem noch leicht feuchten Asphalt…”    mmmh, bin ich wirklich soooo schlecht.,..? ;-)         Aber zum Thema Andre: Auch vor dir Hut ab, das war eine (fast) blitzsaubere Vorstellung am Wochenende, und ich bin mir sicher, dass du in Le Mans noch einen obendrauf setzt. Die Strecke ist einfacher, nicht so gefährlich und vor allem hatte deine Erfahrung eine Woche Zeit, um sich in deinem Hirn festzusetzen. Und zu dem “fast”, das oben in Klammern steht: Sei froh, dass keiner deiner Kartfahrer, für die du schraubst, dabei war. Denn keine “Rennerles” sondern ohne Behinderung schnelle Runden im Zeittraining zu fahren hast du nicht schon vor ungefähr 10 Jahren gelernt, sondern auch an mindestens drei junge Kartfahrer weitergegeben….!!! grrrr….

(Kurz mal ´nen Schluck Rioja getrunken…) Der Urlaub fing ja ungewollt schon einen Tag früher an. Nach einem wirklich megag…. …uten Samstag mit Pole Position und Sieg in Rennen zwei (von Startplatz 6 aus und auch nicht wie nach dem Wetterbericht geschildert in einer Runde von P5 auf P1, sondern innerhalb von zwei Runden in völlig unterschiedlichen Kurven  ;-)   ) begann der Urlaub rechtzeitig mit der Feier der gewonnenen Teammeisterschaft. Leider hatte Antonio seinen wunderschönen roten Truck an der blauen Ecke von Javier Mariezcurrena unwiederbringlich verformt, sodass er keinesfalls für den darauffolgenden Sonntag plausibel einsatzfähig gewesen wäre. Auch wenn der eine oder andere “Schlaumeier” da anderer Meinung war…  schließlich geht es bei meinem Teamkollegen Antonio noch um den Gewinn der Meisterschaft, deshalb habe ich auch keinen Moment gezögert, meinen Truck zur Verfügung zu stellen :(    …und immerhin habe ich dennoch 32 Punkte Vorsprung auf Platz vier. Schließlich brauchte Antonio einen zuverlässigen und nicht unter Zeitdruck zusammengeschusterten Truck für die Rennen am Sonntag.

 

Gut für Andre, denn so hatte ich Sonntag ausreichend Zeit, ihm beim Fahren zuzuschauen und wie oben erwähnt nach dem Zeittraining zu “versäckeln”. Ein Glück nur, dass mein Junior Moritz am kommenden Wochenende auf dem Nürburgring selbst ins Lenkrad greift, denn ansonsten wäre er sicher nach Le Mans gekommen und hätte für Andre die Datenanalyse gemacht, da der tankpool 24 Ingenieur Andy Winkel nicht anwesend sein kann. Und es gibt keinen grausameren Fahrzeugingenieur als Mo…

Morgen noch einen Tag die frische Luft der Pyrenäen genießen und dann am Donnerstag in Le Mans einlaufen. Für Freitagabend ist dort ein Kartrennen geplant, für das ich unseren Racedirector und angelsächsischen Renngott Tony Iddon als meinen Teamkollegen eingeladen habe. Ich hoffe mal er kommt, sodass ich mit ihm im Verlauf des einstündigen Rennens das Volant tauschen kann. Denn wie heißt es so schön: Man muss auch jönne könne…. :-P

Zolder – eine Woche danach. Und die Zukunft beginnt….

Ich liebe Zolder. Eine der guten alten Strecken aus der guten alten Zeit. Ja, ich bin einer der älteren Fahrer, stimmt. Aber das ist auch gut so, denn ich kenne noch das wirklich alte Zolder, als es hinter´m Berg noch in die schnelle Doppelrechts ging, mit frischen Reifen mit Vollgas im Formel 3, zwischen Streckenrand und Betonmauer gerade noch zwei Meter Platz. Aber das ist lange her. Zum Glück (auch wenn die heutige Schikane an gleicher Stelle alles andere als anspruchsvoll ist).

Dennoch bleibt immer ein gewisses Restrisiko, wie der Startunfall im ersten Samstagrennen zeigt. Dem Veranstalter und dem Streckenbetreiber ist hier sicher kein Vorwurf zu machen, denn der fehlende Platz auf der Geraden ist ja unübersehbar und das Verhalten von uns Fahrern sollte dann auch entsprechend sein. Wer den Unfall noch nicht gesehen hat, kann sich gerne selbst ein Bild machen:

http://www.truckrace.org/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=21&Itemid=51&lang=de

Zum Glück wurde niemand verletzt, ein Wunder und ein Beweis für die Sicherheit der Fahrzeuge.

Die Strecke in Zolder ist fahrerisch ein absoluter Genuss. Der Rythmus ist ein ganz besonderer und das Gefühl, wenn die Schikane der Gegengeraden gut gepasst hat und der Truck in der Linkskurve über die darauffolgende Kuppe leicht wird, ist einfach gigantisch (Adrenalin trifft Endorphin). Und du weißt immer genau, wo die Strecke aufhört…

Zolder war nicht nur vom Ergebnis her gut, sondern auch in allen anderen sonstigen Belangen. Keine Strafe, kein Termin bei der Rennleitung, sogar ganz im Gegenteil: Freitagabend ein Bier mit dem englischen Renngott. Und ich muss sagen, so als Mensch ist er ja wirklich ganz okay…  Ich glaube auch, dass er gemerkt hat, dass im Bernau-Team die Menschen echt nett sind, auch wenn der süddeutsche Dialekt für Insulaner vielleicht etwas bedrohlich klingen mag…

Aber die beste Nachricht der Woche kam am heutigen Abend. Wir haben am kommenden Wochenende in Jarama einen Neuzugang zu verzeichnen, an dem ich nicht so ganz unschuldig bin. Auch wenn der Anfang mangels Erfahrung und fehlender Übung auf einem Renntruck vielleicht mühsam sein wird, der Erfolg wird nicht allzulange auf sich warten lassen. Da bin ich mir sicher!
Denn es wird Zeit, dass wieder Talente anstelle Geldbörsen am Lenkrad drehen. Und nein, der Neue heißt nicht Moritz….

Gelb, schnell und außer Kontrolle – nein, nicht die Post

“Big brother is watching you”, dieser Slogan aus George Orwells Roman “1984″ hat uns eingeholt. Zum Glück nicht ganz so politisch wie darin dargestellt (zumindest nicht in unseren Gefilden, auch wenn der eine oder andere das so empfindet), aber ein jeder wird bei mehr Gelegenheiten gefilmt als ihm manchmal lieb ist. Vor allem wir Sensoren zwischen Sitz und Lenkrad sind gerne Objekte nicht  nur profi- sondern auch amateurhafter Filmproduktionen, zu bestaunen oder zu bewundern (kommt von Verwunderung) am häufigsten bei youtube. Tolle Plattform. Tolle Filmer. Be- und verwundernswerte Akteure.

Gestern entdeckte ich dort Inboardaufnahmen des Fahrzeugs, das beim 6 Stunden Rennen direkt hinter meinem Copiloten Moritz fuhr, als er Opfer des Ferrari 458 wurde. Ohne Zeugen und Fotos oder Film ist solch eine Situation ja sehr schnell zerredet, aber diese bewegten Bilder  zeigen die Hilflosigkeit eines überforderten Piloten, obwohl das langsame Fahrzeug sogar ausreichend Platz lässt. Oder ist es so wie mit dem Selbstverständnis mancher (Mit)raser auf der linken Autobahnspur, die von langsameren Verkehrsteilnehmern erwarten, mit stehenden Rädern hinter den rechts fahrenden Laster zu rutschen oder gar unter den Auflieger zu fahren, damit sie ihre schnelle  Fahrt ununterbrochen fortsetzen können? Geld  macht  schnell – sorry, aber nur solange es geradeaus geht…. ;-)

Nun aber zum  Film, ab Minute 37:40 wird es talentfrei….

Mögen die VLN Verantwortlichen ein Einsehen haben…..

Glas Most – oder: Sind die eventuell betrunken???

Nun habe ich extra zwei Tage länger gewartet, um meinen Blog zu schreiben, aber ich glaube, das hätte ich mir auch schenken können. Irgendwie ist mein Blutdruck immer noch ziemlich hoch, aber dazu später.

Fange ich einfach mit den schönen Dingen des Lebens an, erlebt habe ich da so einige in der Sommerpause. Natürlich bezogen auf den Rennsport, schließlich ist das hier ja ein kein wasauchimmerblog! Zunächst hatte ich eine Einladung für den Oldtimer Grand Prix, genauer gesagt für den Historic Marathon, ein dreieinhalb Stunden Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings. Die kenne ich ja so einigermaßen von der VLN und den diversen 24 Stunden Rennen, aber mit einem 911er Porsche, der gerade mal 2 Jahre jünger ist als ich, tauchen plötzlich völlig neue Kurven und vor allem auch notwendigerweise andere Ideallinien auf. Das Wort Bewegung bekommt eine völlig neue Bedeutung, denn das Heck eines solch betagten Rennfahrzeugs schwappt beim Einlenken von einer Seite zur anderen, sodass lange Kurven idealerweise mit Lenkeinschlag in die entgegengesetzte Richtung gefahren werden. Das Fahrerlebnis war traumhaft, auch wenn ich angesichts der vielen mitfahrenden Prachtstücke von Rennwagen vergangener Tage mit (leicht) gebremstem Schaum unterwegs war. Zum Glück haben meine beiden Teamkolleginnen Gaby und Nicola die verlorene Zeit wieder aufgeholt… ;-)

VLN. Letzte Woche. Nein, nicht mit dem MINI. Mit Moritz, gerade noch im Kinderwagen unterwegs und nun mein Copilot. Okay, das mit dem Kinderwagen ist schon eine Weile her, aber als Vater ist das zeitliche Empfinden irgendwie anders. Und auch nicht er als mein, sondern vielmehr ich als sein Copilot müsste es eigentlich heißen, denn wir fuhren auf seinem Fahrzeug, auf dem er die komplette VLN Serie bestreitet, ein Toyota GT86, eingesetzt von Toyota Motorsport. Normalerweise ist er als Junior bei jedem Lauf mit einem anderen Journalisten unterwegs, für das 6 Stunden Rennen meinten die Verantwortlichen, ein Vater-Sohn-Gespann ließe sich doch auch ganz gut vermarkten. Dass das Einsatzauto Lenkrad und Pedale auf der rechten Seite hat, war in der ersten Runde schon etwas gewöhnungsbedürftig, aber zugeben würde ich so etwas natürlich nie! Positiv überrascht war ich bereits Freitagabend von der lockeren Professionalität der TMG Mannschaft, denn im Quartier gabs nach dem detaillierten Ablauf des Einsatzes leckere Grillwürstchen und das passende Getränk dazu. Vom Rennen selbst gibt es nicht allzuviel zu berichten, in unserer Klasse in Führung liegend wurde Moritz in Runde vier Opfer einer der “zahlreichen” Geldbörsen ohne Talent, die momentan leider für viel Gesprächsstoff und noch mehr Gefahr auf der Nordschleife sorgen. Denn wenn ein 458er Ferrari langsamer fährt als ein MINI – okay, ein Schirra MINI, zugegeben – dann kann mit dem Sensor zwischen Sitz und Lenkrad nicht so alles in Ordnung sein. Glücklicherweise wird schon in den Reihen der VLN Organisation über eine Lösung dieses Problems nachgedacht…

Ende der Sommerpause. Most. Eigentlich mein heimlicher Heimat Grand Prix. Nach drei (schönen und erlebnisreichen) Jahren im tschechischen mkr-Team und gefühlten 250 Testtagen in den vergangenen drei Jahren kenne ich dort nahezu jeden Grashalm und könnte vielleicht sogar mit geschlossenen Augen fahren….   Zum Glück muss das ja nicht sein, naja, oder vielleicht doch? Steffi Halm könnte da sicher was zu sagen, denn im ersten Rennen des Wochenendes zertrümmert einer dieser schon am RedBull Ring erwähnten sogenannten Cornermarker die Windschutzscheibe ihres gelben MAN und schleudert Glassplitter in Gesicht und Augen. Markus Bösiger hatte das ja in Österreich schon erlebt und so beschloss die Truckrace-Kommission am Montag nach dem Truck GP Nürburgring, die Veranstalter auf die Verwendung von leichterem und weicherem Material hinzuweisen, um Verletzungen oder gar schlimmeres zu vermeiden. Unser für die Sicherheit verantwortlicher Renndirektor war aber anscheinend derart eingespannt mit der Organisation des Mitfahrevents für den Veranstaltungssponsor, dass ihm für seine eigentlichen Aufgaben einfach zu wenig Zeit blieb. Okay, vielleicht gabs ja auch ein bisschen Provision, da muss man sich schon ein wenig ins Zeug legen…. ;-)

Aber egal, nun zum sportlichen Teil. Der fing damit an, dass MEIN Franz nicht da war. Das ist ungefähr so, als solle Manuel Neuer ohne Handschuhe und in Badelatschen ins Tor gehen. Aber keine Angst, wir verstehen uns noch und haben keinen Termin beim Scheidungsanwalt. In Zolder wird er wieder die Schräubchen der Stoßdämpferverstellung drehen. Nach Platz vier im Zeittraining hatte ich eine superfaire halbe erste Runde mit David, nebeneinander gings durch die ersten drei Kurven, bis ich glücklicherweise die Nase auf Platz drei vorne hatte. Vor mir biss sich Antonio die Zähne an Jochen aus, der, warum auch immer, weit weg war von der Performance seiner Zeit im Qualifying. Am Ende auf dem Podium zu sein ist immer ein gutes Gefühl, und selbst auf Platz drei stehe ich dann meist noch ganz oben… ;-)

Rennen zwei am Samstag war das verrückteste, das ich in meiner Laufbahn je erlebt habe. Startplatz sechs, guter Start, sodass ich in der Schikane am Ende der Geraden bereits auf Platz vier liege, direkt hinter mir Antonio. Dann bekomme ich einen Schlag auf das rechte Vorderrad, pflüge links durch das Kiesbett und komme als erster auf die folgende Gerade. Um keinen Vorteil zu erhaschen, lasse ich die Führenden direkt vorbei und reihe mich vor Antonio wieder ein. Alles richtig gemacht, denke ich, bin sogar in Runde zwei schon an Adam Lacko vorbei und liege auf P3, als mich die Realität in Form einer Durchfahrtstrafe jäh einholt. “Hatten wir nicht auch auf der Kommissionssitzung beschlossen, dass Durchfahrtstrafen durch Zeitstrafen am Ende des Rennens ersetzt werden, damit nach Ansicht des Videomaterials entschieden werden kann? Waren nicht schon mehr als einmal Startnummern vertauscht worden?” schoss es mir durch den Kopf. Aber was sollte ich machen? Reinfahren und kurz die Zunge rausstrecken. Unterm Helm siehts eh keiner. Nach dem Rennen wollte ich natürlich gerne den Grund für die Boxengassenfahrt erfahren, allerdings hatten sich die dafür Verantwortlichen bereits die entsprechenden Filmsequenzen angeschaut und (hoffentlich mit Entsetzen) festgestellt, dass ich wohl alles richtig gemacht hatte. Tja, zu blöd aber auch, dachte ich, mal sehen, wie die da wieder rauskommen. Was dann folgte, glaubt mir hier sicherlich niemand, und wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich es in die Kategorie Ammenmärchen einordnen. Da sitzen mein Teamchef Lutz Bernau und ich im Raum der Kommissare und erhalten keine Antwort auf unsere Frage. Null, nichts, trotz mehrfachen Nachfragens. Okay, nicht ganz, einmal blättert der Franzose ohne Orientierungssinn in der Startaufstellung und bemerkt, dass ich auf Startplatz sechs losgefahren sei. Auch eine Antwort. Vielmehr werde ich des gefährlichen Fahrens angeklagt, weil ich in der Runde nach der Strafe auf der rechten Seite die Zielgerade heruntergefahren bin. Warum ich das denn gemacht hätte? Schließlich wäre ich in allen anderen Runden links gefahren und hätte somit die Streckenposten nicht nur erschreckt, sondern sogar gefährdet! Und nein, ich bin nicht hinter die Boxenmauer gefahren und es stand auch niemand auf der Strecke, aber gefährlich ist das schon. Sollte dadurch bei einem der Streckenposten die Herzinfarktgefahr gestiegen sein, entschuldige ich mich in aller Form, aber wie hat der arme Kerl dann Überholmanöver und Platzkämpfe überlebt, die sich an dieser Stelle verstärkt abgespielt haben? Als Norbi Kiss an genau dieser Stelle an Jochen Hahn´s Hinterrad kurz aufgestiegen ist? Vielleicht weil ich alleine war und man diese Linie von einem Einzelkämpfer nicht erwartet. Egal, gekostet hat´s 1000 Euro, leider stand auf der Quittung keine detaillierte Begründung. Vermutlich konnte das die Sekretärin vor lauter Lachen nicht schreiben….

Der Sonntag begann sehr müde, weil ich nach dieser Aktion dank diverser Mordgelüste am Vorabend nicht einschlafen konnte…  ;-)     Glücklicherweise hielt die Müdigkeit nur bis zum warm up und zum Zeittraining war ich wieder einigermaßen fit. Erneut Startplatz vier, allerdings deutlich näher an der Spitze und ohne einen (altersbedingten) Fahrfehler wäre sogar die pole dringewesen (sorry Volker, aber ich hab mir mein Alter ja nicht rausgesucht!). Rennen eins am Sonntag verlief mehr als glücklich, denn zunächst schob Norbi Antonio neben die Strecke, sodass ich auf Platz 3 einlief, für genanntes Schieben wurde er am Ende mit einer 10 Sekunden Strafe belegt, was mich noch eine Stufe höher klettern ließ auf dem Podest.

Das Abschlussrennen ist ja traditionell das Rennen mit den meisten Plastikteile-Umsätzen. Von Platz sieben aus schaute ich mir in aller Ruhe das Geschehen an, zumal unmittelbar vor mir mein Teamkollege Antonio am Heck meines Ex-Teamkollegen Böse knabberte. Successive knabberten wir uns im Duett an dem einen und anderen vorbei und landeten schließlich auf den Position drei für Antonio und vier für mich.

Montagvormittag stand noch ein kleiner Test auf dem Programm und am Ende durften noch zwei junge Nachwuchsfahrer (beide sind NOlimit Kartbahn-Gewächse) hinter dem Steuer des TSB-MAN Platz nehmen. Zum Glück waren für jeden nur 3 Runden geplant, wer weiß, vielleicht hätte ich sonst schon in Zolder kein Cockpit mehr….  ;-)

Darf man in Russland überhaupt Gedanken haben?

Smolensk. “Von hier ist mein Vater 1942 bis heim gelaufen”, an diese Worte meines Renningenieurs Franz erinnere ich mich jedesmal, wenn wir russischen Boden betreten. Unsere Servicetrucks sind gute vier Tage unterwegs, zu Fuß sicherlich eine nicht zu unterschätzende Tortur… Aber verstehen kann ich es gut, dass er dort weg wollte, denn auch heute noch ist Smolensk nicht unbedingt der Ort, an dem ich sehr viel länger als unbedingt notwendig verweilen möchte. Das hat die unterschiedlichsten Gründe, die aber nicht in der Rennstrecke oder der Veranstaltung dort begründet sind, sondern eher mit den Lebensumständen in Russland generell zu tun haben. Ich kann nur jedem, der in unseren Gefilden jammert, eine Reise in die russische Provinz empfehlen.

Und dabei bin ich sogar noch ein Luxusteilnehmer. Angereist per Flieger, gerade mal 6 Stunden Fahrt vom Flughafen Moskau bis zur Rennstrecke und keine wirklich komplizierten Zollformalitäten. Ich ziehe den Hut und bedanke mich nochmal bei all denjenigen, die die Renntrucks und das ganze Equipment in diesen verlassenen Ort chauffiert haben. Warum wir dort starten und wer genau noch  dorthin möchte, konnte mir bis dato niemand sagen…

Es fällt mir nach diesem Wochenende irgendwie schwer, Gedanken zusammenzufassen, vielleicht liegt es ja daran, dass sie (unbemerkt) kontrolliert wurden…? Die Rennstrecke dort ist die neueste in ganz Europa, auf der wir unterwegs sind, allerdings (okay, meiner Meinung nach) auch eine der gefährlichsten. Es gibt dort so einige Fahrbahnbereiche, die nicht durch Leitplanken voneinander getrennt sind und sich somit unter bestimmten Umständen Frontalzusammenstöße ereignen könnten. Auch das Wort “Auslaufzone” steht sicherlich in ganz ganz kleinen Buchstaben im Streckenabnahmeprotokoll, aber zum Glück haben ja die meisten ein anderes Fahrzeug vor sich, das sie rechtzeitig abbremst. Glücklicherweise sind dies Gedanken, die mir nicht hinter´m Visier kommen, auch wenn das Ergebnis des vergangenen Wochenendes vielleicht danach ausschaut. Es verwundert mich nur immer wieder, mit welch unterschiedlichem Maß gemessen wird. Die NGK Schikane am Nürburgring braucht zwingend die enge Reifenschikane, um die Geschwindigkeit noch mehr zu reduzieren (wie auch immer der Unterschied zu herkömmlichen Streckenbegrenzungen begründet sein soll), da dort nur 497 m Auslaufzone folgen. In Smolensk ist nach einer Topspeedgeraden ein asphaltierter Auslaufbereich von 25 m, der dann durch eine im rechten Winkel stehende Leitplanke beendet wird, die etwa 88 cm tief in dem massiven, russischen Sandboden verankert ist. Und trifft im Falle etwas zuviel Energie auf die Planke, hält der direkt dahinter stehende Strommast aus Stahl das Fahrzeug vor weiterem unkontrolliertem Rutschen ab. Aber technische Probleme beim Anbremsen sind ja eher unwahrscheinlich….

Und das unterschiedliche Maß ist ja nix Neues, da gewöhnt man sich irgendwie dran. Und es ist auch wirklich harmlos in diesem Falle, denn es gibt deutlich größere Probleme im richtigen Leben, siehe oben.

So, genug gejammert für heute. Freue mich auf die nächsten Wochen, nicht nur auf Most, mein heimlicher Heimat-GP, weil ich die vergangenen drei Jahre fast wöchentlich zum Testen dort war, sondern auch auf die beiden Wochenenden davor. Aber ich möchte nichts vorwegnehmen, schaut hier vorbei, dann wisst ihr, welche Lenkräder ich noch so drehe….

Nürburgring – Heimspiel mit allerlei Prominenz

Heimspiel. Definitiv! In diesem Jahr habe ich bisher so schätzungsweise 45 Tage am “Ring” verbracht, allerdings am “echten Ring”, der Nordschleife, der Mutter aller Rennstrecken. So auch direkt nach Spielberg, Montagabend war Antreten zum sport auto Perfektionstraining und Dienstag und Mittwoch lotste ich dann mit einigen Rennfahrerkollegen  Sportfahrer über die Höhen und Tiefen der schönsten Rennstrecke der Welt. Dabei kam mir die Idee, die Lutz Bernau Mannschaft im Rahmen des Truck Grand Prix mit einer Besichtigungstour der Nordschleife zu beglücken. Freitagabend war es dann soweit. Allerdings wussten sie vorher nicht, dass ich für die “Besichtigung” einen Porsche 911 in Cup-Version aus dem Jahre 1993 organisiert hatte, der auch noch von einer Dame chauffiert wurde. Casino, sonst meist ganz vorne dran, ließ dann auch in Gentleman-Manier den anderen den Vortritt, die nach der Fahrt ein Grinsen ins Gesicht gemeißelt hatten, das bis Sonntagabend anhalten sollte…

Freitagabend zu späterer Stunde war ich zusammen mit Ellen Lohr noch als Pausenclown zwischen den Auftritten von Nena und 99 anderen Bands auf die Bühne in der Müllenbachschleife bestellt. Die schlauen Fragen der Moderatorin waren gar nicht so leicht in die Richtung zu lenken, in der ich sie haben wollte, dennoch konnte ich ausreichend auf die Stuttgarter Lastwagenbauer schimpfen, die die Plattform Truckracing nutzen und die arme Elli mit Technik versorgen, die noch in DeutschMark bezahlt wurde. Schämt euch, ihr Schwobesäckel!

Aber nun mal was zum Rennen selbst. Mit riesigem Respekt waren mein Teamkollege Antonio und ich zum Ring gereist, hatten sich doch einige Prominente zur Veranstaltung angemeldet. “Mr Truckrace” etwa oder Deutschlands beleibtester Truckracer, auf den wir besonders gespannt waren, wie er wohl in die doch recht enge Renntruckkabine passen würde. Wie sich herausstellte, hatte ich mal wieder meine Lesebrille nicht dabei und Antonio´s Deutschkenntnisse waren zu schlecht, denn es ging gar nicht um die Körperfülle, sondern vielmehr um die Beliebtheit, beliebtester Truckracer stand da, Mann war mir das peinlich! Naja, Buchstaben und Zahlen zu verwechseln ist im Truckrace ja mittlerweile üblich. Apropos Zahlen: So wie mir in Spielberg erging es Benedek Major am Nürburgring. Durchfahrtstrafe wegen Überholen unter gelber Flagge, und mal wieder wegen Verwechslung, diesmal 21 und 12. Aber vielleicht wollen die Verantwortlichen ja nur den Fehler aus Spielberg wiedergutmachen und verwechseln jetzt an jedem Rennwochenende ein paar Zahlen.

Zu guter Letzt darf ich aber seine königliche Hoheit, den “King vom Ring” nicht vergessen! In diesem Jahr mit königlichem Gefolge in Form des Kronprinzen am Start konnte ich seine goldene Kutsche im Rennen leider nicht finden, denn der Stern am Frontgrill des majestätischen Gefährts ist wohl eher einer der untergehenden Sorte. Und Zeit zum Warten hat man bei einem Rennen nun mal nicht. Echt schade, wo ich doch so auf Royals stehe….

Aber vielleicht startet ja beim nächsten Rennen im russischen Smolensk ein waschechter Truckstar in Form eines Truckzar. Warten wir´s ab, noch bin ich nicht durch die Passkontrolle….

 

 

 

Oestreich in Österreich – oder aber lustige Zahlenspiele in Spielberg

Sorry, der Beitrag aus Spielberg kommt spät, geschrieben habe ich ihn vor über einer Woche. Technische Gründe haben eine frühere Veröffentlichung leider verhindert. Bitterböse Zungen behaupten sogar, der MI6 stünde dahinter… ;-)

Lustig waren sie alle am RedBull Ring, allen voran diejenigen, die sich genüsslich über meine hart erarbeiteten aber endlich erreichten 50 Lenze amüsierten. Ich schätze mal, es waren so 10% ehrliche Glückwünsche, 20% Mitleid und die restlichen 70% Schadenfreude. Dennoch danke an alle, die an mich gedacht haben. Lustig waren auch diejenigen, die meinen Nachnamen mit dem Austragungsland des vierten Truck EM Wochenendes in Verbindung brachten. War mal was völlig neues….      Aber am lustigsten waren mal wieder unsere Freunde in der Rennleitung. Nachdem im ersten Rennen ein Streckenbegrenzungspfosten (nicht verwandt mit hinlänglich bekannten Vollpfosten) die Frontscheibe von Markus Bösigers Renntruck zertrümmert hatte und auch dem Dach meines MAN und dem darauf befindlichen Meritor Bullen eine ordentliche Beule versetzt hatte, entschied sich der Sicherheitsverantwortliche zum Abbau dieser auf Neudeutsch genannten „Cornermarker“ und gab die Parole an alle Fahrer, dass sich die Rennstrecke zwischen den weißen Linien befinde. Eigentlich ganz einfach. Und wenn´s mal eng wird und ein Fahrzeug mit allen Rädern über die Begrenzung räubert (so als ob er vorher einen dieser Cornermarker umgerempelt hätte), wird dieser Verstoß bei Start und Ziel mittels Flagge und zugehöriger Startnummer verwarnt. Das passiert zweimal, beim dritten Mal steht eine Durchfahrstrafe durch die Boxengasse an.

Das somit begrenzungsfreie Rennen zwei verlief eher unspektakulär, auf Position 5 dümpelte ich über den Asphalt, vor und hinter mir keine wirkliche Kampfansage. Dann 3 Runden vor Rennende erhöhter Blutdruck. Startnummer 4 Durchfahrstrafe, ohne vorherige Verwarnung, einfach so. „Aber erstmal weiterfahren und schauen, ob sich die Rennobrigen nicht vertan haben, mmh, oder meine Augen ob der 50 Jahre nicht mehr so gut sehen“ dachte ich mir und fuhr nochmal an dem Schild vorbei. Diesmal etwas näher und tatsächlich stand die 4 mit „drivethrough“ auf der Anzeigetafel. Da jetzt nur noch zwei Runden zu fahren waren und ich gerade so schön im Fluß war, trat ich die Strafe in der letzten Runde an und sah somit die Zielflagge  in der Boxengasse – und auf Platz fünf. Durch die Boxengasse und wieder auf die Strecke zur Auslaufrunde. „Genau so hat Michael Schumacher einst einen seiner sieben WM-Titel gerettet. Daran ist aus Reglementsicht auch nichts auszusetzen, wenn da nicht, ja, wenn da nicht der altbekannte Truckracegott etwas dagegen hat…“ ging es mir durch den Kopf. Und das hatte er. Zusätzliche 30 Sekunden katapultierten mich schlagartig auf Position zwölf. Wieder mal 6 Punkte futsch.

Aber was hatte ich denn eigentlich angestellt? Wieder mal ein loser Kotflügel? Ach nein, das wäre ja eine andere Flagge gewesen….  Im ersten Wirrwarr ließ sich heraushören, dass wohl Startnummer 14 und Startnummer 4 ein wenig verwechselt wurden, hatte die 14 doch schon 2 Verwarnungen im Verlauf des Rennens eingefangen. Aber mit autoritärer Professionalität nach gutem altem englischem Brauch war das Thema schnell unter den Tisch gekehrt und mein zwölfter Platz gefestigt. Unfair ist das? Nein, kann man so nicht sagen, schließlich gibt es ja noch die Möglichkeit dagegen zu protestieren. Kostet trockene 250 Euro, die nur bei Erfolg auch wieder zurückerstattet werden. Und, hatten wir Erfolg damit? Wenn ja, wäre das sicher in den 8 Uhr Nachrichten gekommen, denn es wäre der erste Erfolg gegen eine Entscheidung von FIA Kommissaren gewesen. Ablehnung wegen Formfehler, welcher genau, ist mir nicht bekannt, aber ich vermute, dass die Farbe des Kugelschreibers nicht dem FIA Reglement entsprach….

Machen wir mal eine kurze Zwischenbilanz der geklauten Punkte:

Misano 15 und Spielberg 6 ergeben nach Tony Riese 21 Punkte. Nicht schlecht…

Aber wie heißt es? Was uns nicht tötet, macht uns nur stärker…  So gerüstet gabs dann Sonntag erstmal Trainingsbestzeit und Sieg in Lauf 1. Konnte ich aber wenig zu, irgendwie hatten meine Jungs so an den Stoßdämpfern gedreht, dass der Truck die Zeit quasi ohne mein Zutun in den Alpenlandasphalt brannte.

 

 

Casino, auch in Nogaro

Nein, mein Blogeintrag kommt nicht spät. Ach, schon Dienstag heute? Das passiert eben, wenn man sich nicht rechtzeitig um den Flug bemüht und dann rund 1400 km mit dem Auto bewältigt. Aber Franz ist ein hervorragender Chauffeur, der mit gekonnten Lenkmanövern den Fahrgast vor dem Fall in die Tiefschlafphase rettet, damit er sich ebenfalls an der traumhaft idyllischen Landschaft Frankreichs ergötzen kann. Danke Franz! ;-)

Aber zunächst einmal zu der mit Spannung erwarteten Fahrerbesprechung. Ich wollte ja unbedingt wissen, ob es Neuregelungen für das Verhalten bei doppelt geschwenkter Flagge gibt. Noch bevor ich fragen konnte, klärte Sir Racedirector höchstpersönlich über das Verhalten bei “gelb” auf. Es war ein bißchen wie in der Grundschule (also Grundschule 60er / 70er Jahre, heute würde ein Lehrer für ein solches Verhalten vermutlich suspendiert), alle Fahrer, die in Navarra am Start waren, mussten aufstehen und den Rest des Meetings im Stehen verfolgen. Gut, nicht alle, ich durfte sitzenbleiben, weil ich ja der Gelb-Verursacher war. Wenigstens das hatte er kapiert. Eigentlich hatte ich noch erwartet, dass Benedec Major in die Ecke gestellt würde, weil er ja so knapp an mir vorbeigefahren war, aber das wäre dann ja auch ein wenig zuviel der Strafe gewesen. Nach der Predigt war die Messe dann auch direkt zu Ende und der Pfarrer verließ fluchtartig den Raum, um unangenehmen Fragen (warum wurde nicht mit roter Flagge unterbrochen?) aus dem Weg zu gehen.

Sonntags nach dem ersten Rennen durfte ich zusammen mit David Vrsecky noch einmal den Weg zur Schulleitung, ach nein, Rennleitung antreten. Hatten wir uns doch tatsächlich nach dem Start zweimal berührt aber dummerweise keine Kunststoffteile in Mitleidenschaft gezogen, sodass es keinen Anlass für einen unplanmäßig angeordneten Boxenstopp gab. Nach der “Anhörung” warteten wir vor dem Verhörraum auf das Ergebnis und lachten, ja wir lachten tatsächlich. In diesem Moment öffnete sich die Tür und ein völlig verständlisloser Oberrichter starrte uns entsetzt an mit dem Hinweis, er fühle sich “auf den Arm genommen”, weil wir uns doch eigentlich gegenseitig zerfleischen müssten. Aber wir waren uns einig, dies lieber auf dem Asphalt zu erledigen….

Casino. Grande Casino. Eigentlich ist Monsieur Phillipe Prosper Pascal Lemiere sein richtiger Name, aber im Fahrerlager kennt ihn jeder nur als “Casino”. Und ich habe das Glück, genau diesen Casino als Leib- und Seelenmechaniker an meinem Truck zu haben. So führt er zum Beispiel in einem kleinen DIN A6 Büchlein eine Strichliste, die jegliche Vergehen (grande malheur) dokumentiert und bei dem einen oder anderen sich bis zum Ende der Saison garantiert über mehrere Seiten erstreckt. Am Saisonende in LeMans wird dann wohl abgerechnet….    Eigentlich ist diese Liste vornehmlich für Teammitglieder, etwa, wenn jemand Salz in den Casino-Kaffee leert oder ganz aus Versehen beim Truckwaschen den Wasserschlauch in die Casino-Hose steckt. In Nogaro hat es Norbi Kiss in das berühmte Büchlein geschafft. Nach dem zweiten Samstagsrennen zählte Casino 15 Beulen in meinem Heckauffahrschutz und das waren ihm mindestens zwei zuviele! Also Norbi, willkommen im Casino! Und das mit 15 Strichen Startkapital, Respekt!

Funkyball. Kennt ihr nicht? Kannte ich bis Sonntagabend auch nicht. Aber es ist ein Sport zur Völker- und Teamverständigung, ganz ohne Zweifel! Eigentlich sollten wir es Schlaumiball nennen, denn der Schlaumi (Stefan Honens, Cheftechniker von Hahn-Racing, Anm. d. Red.) rief alle Teams zur Funkyball Teamchallenge auf. Es waren zwar nicht alle dabei, aber der Spaß war dennoch riesig. Auf die Regeln will ich nicht näher eingehen, weil die von Schlaumi während des Spiels im Sinne der Spaßerweiterung sowieso ständig geändert wurden, aber danke an der Stelle für eine tolle Idee! Die folgenden Bilder sagen mehr als tausend Worte…

funky-15            funky-7   funky      funky-2

Den detaillierten Rennbericht gibt´s wie immer auf www.lutz-bernau.de und Fragen zum Wetter werden ausführlich auf www.truckracing.de beantwortet. Nach drei Rennen im Team von TSB muss ich es endlich mal loswerden: Ihr macht einen Megajob! Alle! Okay, nach Gesprächen mit meinem Fahrzeugingenieur Hansi bluten schon ab und an die Ohren, aber das liegt vielleicht auch an meiner altersbedingten verlangsamten Lernfähigkeit, ich bitte um Nachsicht…

 

Navarra, mehr Punkte auf dem Konto als Grad Celsius auf dem Thermometer

Erster MAN-Sieg, tolle Anlage, anspruchsvolle Strecke, gutes (zahlreiches) Publikum, kaltes, windiges Wetter (Details auf Radio Kachelmanns Amazonenfunk oder http://www.truckracing.de/).

Die Strecke in Navarra ist eine Bereicherung, keine Frage! Okay, auch wenn die langsamen Kurven im zweiten Teil der Strecke nicht unbedingt meinem Geschmack entsprechen. Aber – obwohl nur dreimal im Ziel – gabs für meinen blau-roten Meritor Bernau MAN die meisten Punkte des Wochenendes. Also MUSS die Strecke einfach gut sein.

Das Damoklesschwert der Misano-Bestrafung schwebte im ersten Zeittraining über mir. Ich musste so weit wie möglich nach vorne, da ich ja um drei Plätze in Richtung Feldende wandern sollte. Mit der zweitschnellsten Zeit hinter Norbi Kiss konnte ich ganz gut leben, zumal er durch seine Jahre im SEAT-Cup die Strecke als einziger bereits kannte. Im ersten Rennen war dann Fahrspaß angesagt! Nach dem Start direkt auf Vier knabberte ich unbarmherzig an Jochen Hahn. Was für ein Gefühl, den Speed des Überfliegers der letzten beiden Jahre locker fahren zu können! Übertroffen nur durch das folgende Überholmanöver….  Antonio und Norbi hatten sich derweil schon gegenseitig entsorgt, was die Führung und den anschließenden Sieg bedeutete.

Am Herzen liegt mir noch, vom letzten Rennen des Wochenendes zu berichten. Man sollte ja meinen, auf einer modernen Strecke mit asphaltierten Auslaufzonen sei alles (idioten)sicher. Aber leider nicht sicher vor Idioten! Wer die im einzelnen sind, kann jeder für sich selbst ausmachen. Da Bilder mehr sagen als viele Worte, schaut Euch zunächst das Video an:

http://www.youtube.com/watch?v=GN80KdEx1s4

Geparkt habe ich dort nicht freiwillig, sondern bin beim Geradeausfahren in bester “Alarm für Cobra 11″ – Marnier umgedreht worden, nachdem ich den Kollegen eingangs Start/Ziel überholt hatte und nach dem Dreher leider den Motor nicht zum Starten gebracht habe. In der Fahrerbesprechung Nogaro muss ich unbedingt in Erfahrung bringen, ob die Bedeutung der gelben Flaggen geändert wurde, denn Konsequenzen für Vollgas und Überholansätze gab es keine. Aber war ja auch nicht wirklich gefährlich, wenn man es mit losen Kunstoffkotflügeln vergleicht…

Mehr Infos zum Rennen und den Ergebnissen gibt es auf

www.lutz-bernau.de/

 

 

 

 

Gefährlich in Misano und ohne Sicht über die Nordschleife

In Misano begann es etwas holprig mit Platz 6 im Zeittraining, trotz massivster Datenanalyseunterstützung (Ein Bus voll Petrafita-Ingenieure  bei MAN, im eigenen Team Hans, Volker und Franz). Soviel Ingenieurinput schnürt dem Fahrer zunächst mal den Gehörgang zu, aber wenn schließlich alles gefiltert im Hirn ankommt, ist es mehr als hilfreich. Offensichtlich wurde auch dann für Sonntag alles richtig analysiert, Platz 2 im Zeittraining.

Aber vielleicht sollte ich doch von vorne beginnen, denn das Wochenende begann am Mittwoch mit Anmeldung und Abnahme für die 24 Stunden Nürburgring, Donnerstag Aufbruch nach Misano, Freitag bis Sonntag Auftakt zur Truck-Europameisterschaft 2013 und Sonntagnacht zurück in die Eifel zum Ring, wo dank des langen Pfingstwochenendes erst Sonntagabend um 17 Uhr die Startampel auf grün schaltete.

Aber zunächst mal nach Misano. Der Samstag war langweilig, ehrlich. Zwar punktereich, aber ich war einfach viel zu langsam. Am Sonntag dann ging es wie oben beschrieben dank Datenanalyse  besser voran und ich konnte ordentlich pushen. Platz zwei im Zeittraining, sogar zeitweise Führung im Rennen bis, naja, bis ich einfach zu gefährlich wurde. Und das für die Zuschauer! Ein loser hinterer Kotflügel drohte zu einer gefährlichen Drohne zu mutieren und die Zuschauer anzugreifen, somit beorderte mich die Rennleitung zur Reparatur an die Box. Superschnelle Reparatur durch die flinken Hände der Bernautruppe, wieder raus auf die Strecke und am Ende mit Platz 10 doch noch den Anwesenheitspunkt ergattert!

Damit auch Startplatz 10 für das letzte Rennen in Misano und viel Vorfreue auf einige Überholmanöver! Aber was hatte ich zwei Tage zuvor auf einem Werbeschild am Flughafen Bologna gelesen? “…Kiss and fly…”  …und genau das passierte. Norbi Kiss trifft JP Blaise, der wiederum mich, und ich kollidiere bei dem Versuch meinen Truck zu retten ausgerechnet mit Ellen Lohr. Gentlemanimage auch futsch! Was für ein Tag! Wegen „dangerous driving“  bestrafte die Rennleitung mich zusätzlich noch mit Rückversetzung um 3 Startplätze für den kommenden Lauf im spanischen Navarra.

Darüber musste ich tatsächlich am Montagmorgen laut lachen, als mir diese Beurteilung über „dangerous driving“ in der ersten Runde nach dem Restart des 24 Stunden Rennens einfiel. Strömender Regen, 44 Autos vor mir, wobei ich vor lauter Gischt nicht einmal die Rücklichter des direkten Vordermannes erkennen kann, hinter mir 120 weitere Fahrzeuge, die genauso blind wie ich durch die Gischt pflügen und der Tacho steht bei knapp 230 km/h…..    Dangerous driving, soso….

Bis 15.30 Uhr pirschen wir uns Stück für Stück an den führenden Peugeot heran, von morgens 7 Minuten Rückstand sind mittlerweile gerade einmal 45 Sekunden übriggeblieben. Dann der Schock: Keine Leistung mehr! Heiße Auspuffgase haben an einer undichten Stelle im Bereich des Abgaskrümmers einen Unterdruckschlauch zerstört. Nach kurzer Reparatur nehmen wir die Verfolgung wieder auf, aber die heiße Luft wütet unnachgiebig weiter, sodass 30 Minuten vor Rennende das endgültige Aus besiegelt ist. Schade.